Geteiltes Augenmerk – eine Geschichte über unser Gerätehaus

g17.05.271861, noch vor der Gründung des Kaiserreiches, gab es ein kleines Gebäude mitten in Ammendorf, noch unscheinbar und in den Kinderschuhen, aber gewollt und heute unverzichtbar. Die Rede ist von einem kleinen Gerätehaus, welches heute in vollem Glanz und Rampenlicht steht. „Wir sind nichts Besonderes, aber wenn man uns braucht, sind wir für Sie da.“ Getreu dem Motto bleiben wir bescheiden. Im Jahre 1899 folgte der Abriss des Häuschens und ein neues Gebäude entstand, in das die 1911 neu gegründete und am 08.10.1911 offiziell feierlich beurkundete Feuerwehr Ammendorf einzog. Doch damit war es nicht genug. Die Gemeinde Ammendorf leistete sich ein Spritzenhaus mit integriertem Schlauchturm und das in einer Zeit des Umbruchs, der Industrialisierung, der zunehmenden Vergrößerung der Städte, eines noch in Anfängen befindlichen Sozialsystems. Alte mit Pferden angetriebene Handpumpen mit und ohne Wenderohr werden abgelöst und durch neue motorisierte Handpumpen mit Wenderohr ersetzt. Das Kaiserreich befindet sich in einer schwierigen Lage. Mit dem Ausbruch und Ende des 1. Weltkrieges hatte auch die Ammendorfer Wehr mit Verlusten zu kämpfen. Trotz dieser Zeitenwende und politischen Neuordung erholt sich die Wehr und verfügte bereits 1924 über 2 Löschzüge, die Nachbarwehren Planena und Osendorf verfügen ebenfalls über zwei Löschzüge. Damit zählte Ammendorf als starke Wehr.

Der Ort gelangte u. a. durch den Waggonbau, dazu Mals noch im Kutschenbau befindlichen Werkstätten und als Chemiestandort zu Wohlstand. Eine einsatzkräftige Feuerwehr mit einem gut funktionierenden Spritzenhaus durfte dabei nicht fehlen. Dieses Gerätehaus erfuhr 1979 eine Generalüberholung. In die Jahre gekommene Schäden ließ der damalige Wehrleiter Herbert Scheidewig reparieren und setzte sich für den Bau einer Leiterhalle ein, welches 1982 realisiert wurde, denn die Fahrzeuge brauchten Platz. In weißer Voraussicht ließ er sich nicht von dem Vorhaben abbringen. Heute sind wir seinem Engagement sehr dankbar. Neben unserer Drehleiter mit Korb findet heute auch unser Tanklöschfahrzeug seinen Platz. Im ursprünglichen Altbau stehen unser Löschgruppenfahrzeug und der Mannschaftstransportwagen. Die Umkleiden standen zu DDR –Zeiten und bis 2010 noch in der Fahrzeughalle. Abgase gelangten beim Starten in die Hallen und hinterließen einen unangenehmen Duft. Schulungen fanden in einem kleinen und im Sommer stark erhitzen Raum statt, der für die Anzahl an Kameraden einfach zu klein war. Das Herzstück des Spritzenhauses, das liebevoll eingerichtete historische Kabinett, ging völlig unter. Die historischen Gerätschaften zwängten sich dicht beieinander in einen kleinen Raum und im Schlauchturm. Für eine größere Gruppe von Besuchern fehlte schlichtweg Platz und Licht. Dies änderte sich mit dem Neu- und Umbau 2010, welches durch das Engagement des ehemaligen Wehrleiters Daniel Ecke und dessen Stellvertreter Thilo Kabon verwirklicht wurde. Und das war bitter nötig. Mit modernster Technik ausgestattet, erfolgen Dienstabende in einem für die große Anzahl an Kameraden gut klimatisierten Schulungsraum, in dem auch ein Beamer, ein TV -Gerät, eine Leinwand und Mediensoundanlage zur Verfügung stehen. Die Umkleiden sowohl für die Männer als auch separat für die Frauen und Jugendlichen wichen in den hinteren Anbau aus. Damit sind die Kameraden nicht mehr den Abgasen in der Fahrzeughalle ausgesetzt. Aber auch hier wurde durch eine Abzugsanlage Abhilfe geschaffen. Allen in allem fand nun auch das Museum seine Räumlichkeiten. Die Ausstellungsstücke sind besser zu bestaunenden. Die Glasvitrinen geben dem Ganzen noch einen gewissen Glanz. Den Schlauchturm kann der Besucher nun betreten ohne der Gefahr zu unterlaufen, Ausstellungsstücke umzustoßen. Als der Archivdirektor Thomas Jakob das Museum sah, war er höchst erfreut und nahm Ulrich Röfer, unserem Museumschef, die Bescheidenheit: Es handele sich nicht nur um ein Ausstellungskabinett, sondern hat in der Tat den Rang eines Museums und damit reihen wir uns mit seinem Segen nun unter die Museen ein. Nach langer Zeit erhielt unser Spritzenhaus dann 2012 den Status eines Denkmals. Am vorderen Eingangsbereich zwischen den beiden Eingangstüren befindet sich das kleine Schild dazu. Dies wird leicht übersehen, verleiht aber unserem Spritzen die ihm zustehende Ehre. Wenn Sie dann dort einmal stehen bleiben, werden Sie sehen, dass der Anbau im hinteren Bereich bewusst weiter nach innen versetzt steht, sodass dem Betrachter der schicke Altbau im Blinkwinkel bleibt und sein Augenmerk auf die Pforte mit seinem Schlauchturm richtet. Im Inneren des Museums gelangen Sie in eine historische Welt, angefangen mit kleinen Sammlung von Helmen und Strahlrohren, weitete sich das Equipment auf die Bekleidungspuppen, mit denen eine Vielzahl von Bekleidungen von Feuerwehrangehörigen sowohl aus dem Inland als auch dem Ausland, sowohl von Einsatzbekleidung bis hin zu Dienstuniformen gezeigt werden. Mühevoll und mit ein wenig Kontakten schuf Ulrich diese kleine Schatzkammer. Besonderes Highlight war die Ausgrabung der Zeitkapsel von Dr. Eduard Otto Vincent Ule (1820-1856), der damals die Zukunft Deutschlands aufschrieb. Ein kleiner Fetzen Papier mit der Aufschrift Gerechtigkeit blieb übrig. Jeder kann sich nun seinen Teil dazu denken. Er war der erste Feuerwehrkommandant der Stadt und starb auf tragische Weise nach einem Brand in der großen Ulrichstraße. Als er seinen Kameraden für die Einsatzbereitschaft dankte, fiel ein Ziegel auf den Kopf und mit einem Schädelbasisbruch verstarb er wenig später. Zu seiner Zeit waren die Einsatzsachen zuhause, aber aufgrund eines Termins in einem anderen Stadtteil blieb keine Zeit um Helm und Kleidung von zuhause zu holen. Auf dem Gertraudenfriedhof am Wasserturm Nord erhielt er seine letzte Ehre. Sein Grab befindet sich gleich links am Eingang. Ein weiteres tollen „Geschenk“ ist die Leihgabe der Kastenspritze aus dem Jahre 1750, die die Feuerwehr Passendorf zur Verfügung stellt. Liebevoll restaurierte Ulrich die Kastenspritze und gab ihr den alten Glanz und das alte Aussehen wieder. Ihr Einsatzgebiet war die Ulrichkirche. Dort stand sie lange Zeit, mit Wasser befüllt, im Dachgebälk, um sie im Ernstfall sofort einzusetzen. Es handelt sich um eine mit der Hand betriebene Pumpe, die modern und Zeitgleich den Erfordernissen im Dankgebälk angepasst. Sie ist u. a. ein Herzstück des Museums. Sie funktioniert auch heute noch, bleibt aber Ausstellungsstück wie unser Schlauchturm, der seit 2002 zum Trockenen der Schläuche nicht mehr genutzt wird. Diese fahren wir auf die Hauptwache, wo sie maschinell getrocknet werden. Ein Blick in den Schlauchturm lohnt sowohl aus dem Museums heraus als auch aus der Fahrzeughalle. Der weiße Belag ist kein Schimmel, sondern Farbe, die während des Zweiten Weltkrieges aufgetragen wurde, um ein Übergreifen eines Feuers durch enorme Hitze von brennenden Nachbargebäuden möglichst zu vermeiden. Der Schlauchturm blieb von Umbau unangetastet, da das Gebälk noch wunderbar stabil ist. Die Handwerker verstanden ihr Handwerk von außerordentlicher Qualität. Im Schlauchturm selbst stehen noch Löscheimer, die zunächst aus Leder, später aus Hanf hergestellt wurden. Per Gesetz musste jeder Einwohner der Stadt mindestens zwei oder drei Eimer vorweisen, um im Brandfall eine Eimerkette bilden zu können. Mit der Entwicklung der Feuerlöscher, die gleichzeitig mit der Entwicklung von Feuerspritzen, Wenderohre und Vielzahl motorisierter Technik einherging, verlor die Eimerkette allmählich zugunsten dieser an Bedeutung. Bekannt ist dabei der Spruch, den Jeder auf Anhieb kennt: „Hast du Minimax im Haus, bricht kein Feuer aus“. Dazu trugen auch neuere Bauordnungen und Brandschutzverordnungen, teils durch die Feuerwehren, teils durch die Stadträte per Diskret oder Gesetz erlassen, bei. Denn die Angst vor einem Brand war groß und bedeutete bei einer mittelalterlichen engen Bauweise immer ein Ausbreiten über das betroffene Stadtteil oder die gesamte Stadt selbst. Der Bürger fürchtete den Roten Hahn. Brandstifter verurteilte man aufs Schärfste mit dem Tod. Aber mit den Verordnungen zur Bauweise veränderte sich diese rasche Feuererscheinung. Zum Beispiel mussten die Abstände zwischen den Häusern vergrößert werden. Baumaterialien wie Dachziegel oder Holz statt Stroh sollten bevorzugt werden. Nachtwächter und Turmwächter hielten stets die Augen offen und alarmierten umgehend die Bevölkerung und riefen damit die Feuerwehren herbei. Die zunächst aus einem Haufen freiwilliger Bürger bestanden und noch keine Formationen im heutigen Sinne erhielten. Mit dem Einführen von Mannschaften im 19.Jh. und 20. Jh. und der Entwicklung der Turnerfeuerwehren, abgekürzt mit T F und abgegrenzt durch weiße Kleidung, ordnete sich das Löschwesen neu und die Einsätze verliefen wesentlich besser , geordneter und effizienter. Mit moderner Einsatztechnik, neuen Bauweisen und moderner Alarmierungen führten allmählich zur Bedeutungslosigkeit der Nachtwächter. Eine Berufungsgruppe, die heute nur bei Nachtwächtertouren durch die Stadt bestaunt werden kann. Damit beende ich die kleine Passage über unser Gerätehaus, das Museum und Löschwesen. Thema und Augenmerk soll das Museum der Ammendorfer Feuerwehr in der Elterstraße 29, 06132 Halle / Saale bleiben.

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