Das Spritzenhaus in Halle-Ammendorf – ein feuerwehrhistorisches Kleinod

11.10.22.01Feuerwehrheft-Oktober-2011-1„Mit Kraft und Mut, für des Nächsten Gut“: Auch wenn dieser historische Spruch etwas pathetisch klingt, er hat keine andere Bedeutung als unser heutiges „Helfen in Not, ist unser Gebot“. Seit Kurzem ziert er auf dem Vorhangbogen des Gerätehaustores in Ammendorf wieder die historische Fassade des Gebäudes.

Allein schon durch seine Außenarchitektur fällt das Ammendorfer Spritzenhaus auf. Dieses im Jugendstil 1911 erbaute Feuerwehrhaus mit seinem markanten, in die Fassade integrierten Schlauchturm erinnert an einen Sakralbau, an eine kleine Kirche oder Kapelle. Und dies umso mehr, seit es sich nach einer umfassenden Restaurierung im alten neuen Glanz präsentiert. Orientiert an den Vorgaben des Denkmalschutzes hat die Außenansicht wieder die Gestalt von 1911 erhalten.

Nun sind die gefällige Architektur und der immer noch voll funktionsfähige Schlauchturm nicht das einzig Sehenswerte. In den oberen Räumlichkeiten befindet sich unter anderem das historische Kabinett, eine Sammlung geschichtlicher „Zeitzeugen“ des Brandschutzes. Die Einrichtung erfährt reges Interesse seitens der Öffentlichkeit. Zahlreiche Schulklassen, Kindergärten und Vereine besuchen schon seit Jahren das Gerätehaus und die sehenswerte Ausstellung. Auch am Tag der offenen Tür kann sich der Veranstalter über Besuchermangel nicht beklagen. Besonders erfreulich ist es, dass das historische Spritzenhaus mit seinen antiken, aber auch zeitgemäßen Sehenswürdigkeiten zum Europäischen Tag des offenen Denkmals 2011 erstmals seine Pforten geöffnet hatte. Auf diese Weise wurde mit einer der ältesten noch im Alarmdienst stehenden Feuerwachen der Stadt Halle ein Stück Brandschutzgeschichte erhalten und popularisiert.

Im Folgenden soll das historische Kabinett näher vorgestellt werden. Wie in vielen Fällen stehen und fallen Präsentationen mit der Bereitstellung geeigneter Räumlichkeiten. Und solche waren im Gerätehaus Ammendorf, selbst „Zeuge der jüngeren Geschichte, vorhanden. In den letzten Kriegsjahren 1944/45 eingerichtet, dienten sie den Ammendorfer Wehrleuten als Bereitschaftsräume, später standen sie leer. So fand die historische Sammlung gute Voraussetzungen der Unterbringung, nicht zuletzt auch dadurch, dass sich der Schlauchturm mit seinem imposanten Gebälk so gut der historischen Thematik anpasst. In den beiden Räumen sind „Sachzeugen“ des Brandschutzes, wie es die Bilder zeigen, untergebracht: Feuerwehrhelme verschiedener Generationen, Uniformen, Löschgerätschaften, Steiger- und Sicherheitsgurte, Schutzmasken, Alarmhörner, Feuerwehrbeile, Löscheimer und vieles mehr.

Mit der Restaurierung des Feuerwehrhauses erfolgte nun auch eine Neugestaltung der Sammlung. Besonders erwähnenswert ist hierbei ein großer, als Raumteiler fungierender Schrank mit verschiebbaren Glasscheiben. Auf eindrucksvolle Art wird darin die Geschichte des Gründers und ersten Kommandanten einer organisierten Feuerwehr in Halle, Dr. Otto Ule (1820-1876), vorgestellt. Auch Halles langjährigem verdienstvollen Branddirektor Martin Rohr (1878-1951) wird darin gedacht.

Alles in allem: Ein Besuch im Ammendorfer Spritzenhaus lohnt sich und zwar nicht nur für Geschichtsbewusste. Besichtigung nach Absprache: FF Ammendorf, Tel. 0345/7758333.

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