Chronik

Die Freiwillige Feuerwehr Halle-Ammendorf, eine Feuerwehr am Rande der Stadt, aber mitten im Leben

Einleitung

Es sieht aus wie eine kleine Kirche, und wurde schon oft für eine solche gehalten, das historische Spritzenhaus des halleschen Stadtteils Ammendorf. Spritzenhaus und Kirche? So weit liegt beides nicht voneinander. In Beiden ist der humane Gedanke zu Hause. Die Hilfe am Nächsten, ist auch heute in einer materialistisch geprägten Zeit nicht weg zudenken. Und wenn man die Zeit seit der Gründung der Ammendorfer Wehr 1899 Revue passieren lässt, waren immer Männer, heute auch Frauen da, welche den humanen Gedanken der Feuerwehr verwirklichten. Selbst in Zeiten politischer Querelen, nach verlorenen Kriegen, kurz durch alle Wirren der Zeit, fanden sich erstaunlicher Weise immer Personen, welche ohne Bedenken dem Alarmruf folgten, wenn Hilfe nötig war. War es die Faszination Feuerwehr, war es Selbstdarstellung, war es die Überwindung persönlicher Ängste, Präsentation von Mut, kameradschaftliche Geselligkeit, Neugierde, oder einfach nur um etwas Sinnvolles zu tun? Wir wissen nicht was die Generationen bewegte, den Helm aufzusetzen, immer in dem Bewusstsein, sich der Gefahr an Leib und Leben auszusetzen. Eins wissen wir aber genau, aus welcher Motivation auch immer, auch heute gibt es zahlreiche junge Frauen und Männer, welche durch ihr Mitwirken in dieser Institution den Geist der Feuerwehr bewahren. In der FF Ammendorf wird das gerade in jüngster Zeit expliziert bewiesen. Man kann es deklarieren mit – Neuer Geist in alten Mauern. Denn alt sind die Mauern des Ammendorfer Spritzenhauses auf jeden Fall.

Das alte Ammendorf

Zwar gab es schon in frühesten Zeiten verpflichtete Einwohner und Handwerker, welche Brände zu bekämpfen hatten, doch konnte von einer Feuerwehr keine Rede sein. Die technischen Möglichkeiten, vor allem aber die darauf ausgelegte Ausbildung der Leute fehlte. Und so stand man den - Feuersbrünsten - wie sie damals genannt wurden, hilflos gegenüber. Es sei deshalb ein Blick in die Vergangenheit gestattet, welcher Brandgeschehnisse in Ammendorf aufzeigen soll: 1426 brennt das ganze Dorf nieder. 1597 wird wiederum das ganze Dorf mit dem Gut ein Raub der Flammen. 1762 brennen 3 Bauerngehöfte nieder, dabei kommen im Gut Ammendorf – Beesen 200 Schafe um. 1777 brennen in der Hauptstraße 7 Häuser ab. Dabei stirbt der Ammendorfer Pfarrer vermutlich an einem Schock. 1827 brennt die große Schäferei ab. 1899, durch Feuer, wird die Ammendorfer Wassermühle zerstört. Diese Aufzählung soll genügen, obwohl zwischendurch immer wieder ganze Häuser nieder brannten, sei es durch Blitzschlag oder sorglosen Umgang mit Feuer und Licht.

Durch das völlig veraltete Löschwesen, in Organisation und praktischer Anwendung, wurden die Forderungen immer lauter nach einer Institution, welche den Brandschutz als gesellschaftliche Aufgabe notwendig machten. Dabei sollte fachliche Erfahrung in Anlehnung schon bestehender Feuerwehren Beachtung finden. Die Ammendorfer Kommunalverantwortlichen hatten das eingesehen. Vielleicht spielte dabei auch der soziale Gedanke eine Rolle, denn nach der Reichstagswahl 1898 hatten im Bereich Beesen, Planena, Radewell, Burg, Osendorf und Ammendorf, die Sozialdemokraten mit 65% gegenüber der Freisinnigen 13% und den Konservativen mit 22% die Nase vorn, Wie dem auch sei, so stellte es eine absolute Notwendigkeit dar, dass im Jahre 1899 am 20.09. in Ammendorf, dem damals größten und reichsten Dorf im Saalkreis, eine Feuerwehr gegründet wurde. Einerseits war es die Gemeindeverwaltung dem Sicherheitsbedürfnis ihrer Dorfbewohner schuldig, nicht zuletzt auch durch den aufstrebenden Industriestandort, andererseits war dem technischen Fortschritt auch die Feuerwehr unterworfen. Man hatte somit auch in Ammendorf erkannt, dass man sich nicht erst dann mit dem Feuer beschäftigen müsse, wenn es brennt, sondern für diesen Fall darauf vorbereitete und ausgebildete Mannschaften haben müsse. Seit der Gründung der 1. Freiwilligen Feuerwehr Deutschlands in Meißen 1841, sollte der Geist der freiwilligen Hilfeleistung bei Schadenfeuern, seinen Siegeszug in Deutschland antreten. Besonders das Handwerk mit seinen Meistern tat sich im neu organisierten Löschwesen besonders hervor, eine Tatsache, welche weit in unsere Zeit reicht.

Freiwillige Feuerwehr Ammendorf

Im Jahre 1899 wurden die Orte Ammendorf, Osendorf, Burg, und Radewell zu einer Großgemeinde Ammendorf zusammengeschlossen.

Alle diese Orte waren bereits im Besitz einer Freiwilligen Feuerwehr. Zusätzlich hatte Radewell eine Betriebsfeuerwehr in der Papierfabrik und Ammendorf eine in der Gottfried-Lindner AG. Nach dem Zusammenschluss wurde die Ammendorfer Wehr quasi neu gegründet.

Später kamen im Jahr 1917 die Orte Beesen und Planena mit jeweils auch einer Wehr dazu.

Nach der Neugründung der Feuerwehr Ammendorf wurde 1899

der Feilenhauermeister Große zum Vorsitzenden und Brandmeister gewählt und ein Herr Stilbitz zum Branddirektor. Gleichzeitig wurde auf der Gründungsversammlung die notwendige Anschaffung einer neuen Feuerspritze beschlossen. Der ständige Mannschaftszuwachs, verbunden mit der Indienststellung technischer Löschgerätschaft, ließ das alte einräumige Spritzenhaus in der Hauptstraße als völlig unzureichend erscheinen. So kam man nicht umhin, am Schillerplatz (heute Elsterstraße), ein neues modernes Spritzenhaus zu bauen. Und man tat es mit Überlegung und Weitblick.

Die damals reichste und größte Gemeinde ließ ab dem 20.Juli 1911, von der Radeweller Baufirma Möbus für 9.300,- Reichsmark, einen entsprechend repräsentativen Neubau errichten. Nach einer Bauzeit von 79 Tagen wurde das neue Gebäude am 8.Oktober 1911 eingeweiht.

Drei Tore mit Rundbogenfenstern und Kassettentäfelung zierten einst die imposante Giebelfassade. Das größere Mitteltor trug ursprünglich risalitförmigen Charakter und wird bis heute flankiert von zwei Pfeilern mit kapitellartigem Abschluss. Über dem Mitteltor wölbt sich über einem Fenster ein Vorhangbogen mit der einstigen Beschriftung: „Mit Kraft und Mut. Für des Nächsten Gut.“

Der über dem Giebel aufragende Turm war früher mit Kupferblech beschlagen und hatte unter der Turmhaube Lüftungsjalousien zur Abführung der feuchten Luft. Denn was man von Außen nicht sah, offenbarte sich im Inneren: Der Turm diente zur Schlauchtrocknung, die Rollenaufzüge sind immer noch funktionstüchtig. Der Turmknopf war als Krone ausgebildet.

Die beiden Nebentore des Gebäudes überspannten Korbbögen und die ganze Fassade war durch eine so genannte Putzquaderung verschönt. Nach der Straßenseite streckt sich wie bei einer Kirche ein kapellenartiger Vorbau mit Walmdach.

Stellvertretend für andere Entwicklungsphasen der Wehr wird das Jahr 1924 angeführt, als das 25-jährige Jubiläum gefeiert wurde und ein explizites Bild über den damaligen Leistungsstand dokumentiert

Die Bestrebungen der Wehr im Zeitraum 1924 fanden nicht nur die Unterstützung der Gemeinde, sondern auch der umliegenden industriellen und landwirtschaftlichen Betriebe. Die Gemeinde schloss zum Beispiel für ihre Feuerwehr eine Unfallversicherung auf Goldmark ab. Die Feuerwehrorganisation umfasste damals 6 Löschzüge. Davon entfielen auf den Ortsteil Ammendorf und Rosengarten 2 Löschzüge, auf die Ortsteile Beesen, Planena, Osendorf und Radewell zusammen 4 Löschzüge. Der Ortsteil Burg wurde von Osendorf gesichert. Für den Löschzug Radewell stellte die Wehr der Ammendorfer Papierfabrik die Mannschaft.

Die Wehr verfügte über:

- 1 Automobilspritze von 1000 l pro Min.

- 6 Saug- und Druckspritzen für Pferdezug

- 1 Abprotzspritze

- 1 mechanische Leiter

- 1 Gerätewagen mit freistehenden Leitern und Rutschsack

- 1 Hydrantenwagen mit 11 abnehmbaren Schlauchhaspeln

- 4 große Schlauchwellen als Spritzenanhänger

- 50 m Saugschläuche

- 2000 m Hanfdruckschläuche

- 1 Fahrrad 1 Krankentrage

- diverse Anstell- und Hakenleitern

- Rauchmasken

- Sauerstoffapparat

- Strahlrohre

- Verteiler

- Fackeln

- Äxte und Schanzgerät.

Die Alarmierung erfolgte durch eine am Feuerwehrhaus des Löschzuges 1 stationierte elektrische Sirene und durch Hornsignale der Signalisten. Im Gemeindebezirk gab es 10 elektrische Feuermeldestellen. Die Wehr bestand im Berichtsjahr 1924 aus 75 aktiven Mitgliedern: 1 Oberbrandmeister, 3 Brandmeister, 2 Steigerzugführer, 1 Hydrantenzugführer, 2 Stellvertreter der Steigerführer, 4 Spritzenmeister, 1 Stellvertreter der Spritzenmeister, 17 Steiger (heute Angriffstrupp), 46 Spritzenmänner einschließlich 6 Sanitäter. Es gab im Löschbezirk 148 Unterflur- und 30 Oberflurhydranten. Bei den 8 Jahresübungen beteiligten sich 90% der Mitglieder. Der Wehr wurde die Ehre zu teil, die neue Normalübungsordnung der Provinz Sachsen im Auftrag des Feuerwehrverbandes zu erproben.

Durch alle Zeitepochen hindurch konnte das Feuerwehrhaus seinen Zweck erfüllen, obwohl Ende der 30er Jahren schon einmal, aus Platzgründen und Wohnungsnot, ein Neubau mit Standortverlegung vorgesehen war. Man entsann sich aber aus Kriegsgründen eines besseren.

1937 erhält Ammendorf am 1. Februar das Stadtrecht und die Einwohnerzahl ist mittlerweile auf 15000 gestiegen. Auch das Feuerlöschwesen der nun neuen Stadt ist zu einer festen Größe herangewachsen. Nicht zuletzt durch die Motorisierung, den dadurch schnellen mobilen Einsatz, auch durch ständige Ausbildung im feuerwehrtaktischen Bereich wurde die Wehr gestärkt, wenn auch beide unselige Weltkriege personelle und materielle Defizite hinterließen. Durch besondere Initiative des Nachkriegswehrleiters Winkler stabilisierte sich trotz privater Sorgen, der Personalbestand wieder. So war zum 50-jährigen Jubiläum wieder eine Wehrstärke von 40 Kameraden erreicht, welche in LF 25, LF 15 und eine Drehleiter DL 27 besetzten.

Das Ammendorfer Spritzenhaus ist übrigens in einer Publikation von Dietrich Kunger mit dem Titel „Feuerwehrhäuser“ aus dem Jahr 2000 bildlich dargestellt.

Wie oft die schönen Tore im Alarmfall früher aufgingen, kann natürlich nicht zurückverfolgt werden. Was man aber heute noch erkennt, ist die gelungene Symbiose von Zweckmäßigkeit und äußerer Schönheit. Das Spritzenhaus ist seit eh und je ein Identifikationspunkt der Ammendorfer Feuerwehrleute.

Als am 11. September 1944 in Ammendorf die ersten Bomben fielen, trafen sie die Kirche, den Friedhof, das Pfarrhaus, die Sparkasse sowie Wohnhäuser in der Merseburger, Haupt,- Edison- und Horst Heilmann-Straße. Das Ammendorfer Spritzenhaus, nur wenige Meter neben den Einschlagorten gelegen, blieb verschont.

Um zeitgemäßen Anforderungen zu entsprechen, wurden auch einige Innenräume verändert was, sich durch alle Epochen zog. So wurden zum Beispiel in den letzten Kriegsjahren der 2. Weltkrieges im oberen Bereich Räume geschaffen, welche der ständigen Ausrückbereitschaft dienten.

Besonders zu bedauern war, dass nach der Eingemeindung Ammendorfs in die Stadt Halle 1950 wieder ein Rückgang der Mitglieder mit gleichzeitiger Dezimierung der Technik zu verzeichnen war. Doch auch schon damals sorgte die Jugend dafür, dass aus dem Brandschutzaktiv, als erstes dieser Art in Halle-Süd, der spätere Feuerwehrnachwuchs gebildet wurde. So standen 1960 wieder 26 Feuerwehrmänner im Alarmdienst. Besonders zu erwähnen ist die lange Dienstzeit von 28 Jahren als Wehrleiter von Kamerad Herbert Scheidewig. (1975 – 2002). In dieser fassettenreichen Zeit war nicht nur Improvisationsvermögen, Organisationstalent, sondern auch taktisches Geschick gefragt. Durch den Zahn der Zeit war aber die Bausubstanz sehr in Mitleidenschaft gezogen. Putz und Dachschäden waren die Folge. Durch den damaligen Wehrleiter Herbert Scheidewig wurde deshalb 1972 eine Renovierung in Gang gesetzt und die Mängel beseitigt. 1989 kam der Neubau der Leiterhalle hinzu.

Mittlerweile wurde aus der Jugendfeuerwehr heraus die Reihen der Einsatzabteilung immer wieder verstärkt, was nicht zu letzt dem Jugendfeuerwehrwarten zu verdanken war. Aus dieser Jugendfeuerwehr erwuchs der Kern der heutigen Einsatzmannschaft. Sie stellen ein gut ausgebildetes Potenzial dar und können sich heute als „Die Alten“ bezeichnen, weil die Wehr durch neue Kameraden erheblichen Zuwachs erfahren hat. Denn so jung wie im Jahr 2009 war die Ammendorfer Wehr an Personal noch nie. Am 15. Februar 2008 wurde Kamerad Löschmeister Daniel Ecke als neuer Wehrleiter gewählt. Diese Wahl verstärkt den jungen Charakter der Wehr explizit, denn auch er ist der Jugendfeuerwehr entwachsen und der jüngste Wehrleiter einer Ammendorfer Wehr überhaupt. Als Stellvertreter fungiert Brandmeister Thilo Kabon, welcher auf Grund seiner langjährigen Erfahrung als Feuerwehrmann in allen Bereichen der Wehr, eine gelungene Symbiose zur Jugend darstellt. Die professionelle Zusammensetzung der Wehr besteht aus Handwerkern, Ingenieuren, Studenten und Beamten. Die Ausbildung weiterer Einsatzkräfte wurde jedes Jahr fortgeführt und zahlreiche neue Mittglieder geworben.

Da diese Chronik auch für den Bürger und Nichtfeuerwehrmann interessant sein dürfte, soll das interne Leben in der Ammendorfer Wehr einmal dargestellt werden. Schon deshalb, um das große Engagement der Kameraden dem Bürger vor Augen zu führen, um zu dokumentieren, dass sich in einer materialistisch ausgerichteten Zeit und sogenannten Spaßgesellschaft Jugendliche finden, welche getreu dem alten Feuerwehrleitspruch: „Dem Nächsten zur Wehr“ handeln. Denn über den „Lohn“ der freiwilligen Feuerwehrleute kursieren immer noch die merkwürdigsten Ansichten. Und viele sind auch heute noch erstaunt, wenn man ihnen sagt, dass bei dieser gefahrvollen Tätigkeit nichts zu verdienen ist.

Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und Werbung hat die Wehr eine Einsatzabteilung von 46 Kameraden. Die Jugendfeuerwehr hat 17 Kinder und Jugendliche. Die Altersabteilung besteht aus 22 Kameraden. Wenn man die Absicht hat, die Arbeit der FF Ammendorf zu schildern, fängt man am besten bei der Jugend an. Im Gegensatz zur Landestatistik Sachsen-Anhalt, welche seit 2000 rückläufige Zahlen der Feuerwehrmitglieder proklamiert, hat sich der Personalbestand der Einsatzmannschaft und der Jugendwehr erhöht. Im Folgenden soll die Jungendfeuerwehr durchleuchtet werden:

Die Jugendfeuerwehr wird geleitet von Marko Jatzke und Thomas Berndt.

Marko Jatzke, welcher selbst aus der Ammendorfer Jugendfeuerwehr stammt und jetzt zum Stamm der Einsatzabteilung zählt, kennt aus eigener Erfahrung die Belange der Jugendwehr bestens. So wird immer versucht, ob in Ausbildung oder anderen Aktivitäten, der Jugend die Liebe und das Interesse an der Feuerwehr zu vermitteln. Diese Arbeit kann schon aus diesen Gründen nicht wichtig genug eingeschätzt werden. Jeden Freitag trifft man sich zur Ausbildung, welche nach den Regeln der Jugendfeuerwehr ein breites Spektrum einnimmt. 16 Jungen und Mädchen sind somit auch bei anderen Unternehmungen bei der Sache. Zum Beispiel beim gemeinsamen Fußball und Volleyballspiel, bei Ausflügen, zum Schwimmen, beim Picknick, beim Grillen etc.. Es werden Zeltlager und Wettbewerbe im Orientierungslauf durchgeführt. Besuch anderer Feuerwehren und Feuerwehrveranstaltungen stellen ebenfalls eine Bereicherung des Jugendfeuerwehrlebens dar. Der Kern jeder Feuerwehr ist natürlich die Einsatzabteilung. Mit ihrer Leistungsbereitschaft steht und fällt ihr Image. Wie schon angeführt, ist die Ammendorfer Wehr im Durchschnitt ein sehr junges Team. 14 Kameraden mit längerer Dienstzeit stehen 32 Kameraden mit verhältnismäßiger kurzer Dienstzeit gegenüber. Diese jungen Kameraden auf ein gutes Leistungsvermögen zu bringen, ist das oberste Anliegen der Wehrleitung und der älteren Kameraden. Jeden Freitag von 19:00 bis 21:00 Uhr ist Ausbildungszeit, welche neben theoretischer Schulung das Hauptaugenmerk auf praxisnahe Übungen legt. Diese Übungen werden oft in eigener Regie, aber auch im Zusammenwirken mit der Berufsfeuerwehr und anderen Freiwilligen Feuerwehren durchgeführt. Die Thematik reicht von Großschadensfällen über Wohnungsbrände, bis hin zu meteorologischen Unbilden. Gerade als eine Feuerwehr an der Peripherie der Großstadt Halle ist die Ammendorfer Wehr technisch gut ausgerüstet. Sie verfügt über eine Drehleiter DKK 23-12, ein Löschgruppenfahrzeug 8/6, ein Tanklöschfahrzeug 16/24 und einen Fiat-Mannschaftstransporter. Die Drehleiter war so zum Beispiel oft das gefragteste Fahrzeug bei Sturmschäden. Sehr gefragt sind die Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule Heyrothsberge. Ob technische Hilfe, Drehleitermaschinist, Maschinist, Gruppenführer, Zugführer, Wehrleiter oder Gerätewart, mit all diesen Lehrgängen sind die Ammendorfer Kameraden qualifiziert und ständig werden neue Lehrgänge an dieser Schule besetzt.

Aber nicht nur dienstlich sind die Ammendorfer Kameraden aktiv. So wird das interne Feuerwehrleben durch Fußball, Volleyball, Bowling oder Festbesuche befreundeter Vereine oder Feuerwehren, Stadtteilfeste etc. bereichert. Nicht zu vergessen, eine selbst organisierte Blutspendeaktion, welche immer regen Zulauf hat. Enge Kontakte bestehen seit langen zur Partnerwehr Hagsfeld, welche zum jährlichen Sommerfest und Tag der offenen Tür immer gern gesehene Gäste sind.

Diese Sommerfeste haben sich zu einem wirklichen lokalen Ereignis entwickelt, das die Ammendorfer Bürger nicht missen möchten. Sie dokumentieren auch dadurch die Verbundenheit mit ihrer Feuerwehr. Diese Chronik kann natürlich nicht alle Einsätze in Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr aufzählen, weil es nicht die Art einer karitativen Institution ist, darüber große Worte zu verlieren, nach der Devise:

„TU GUTES UND SPRICH NICHT VIEL DARÜBER.“

So wird die Ammendorfer Wehr auch in Zukunft ein Festpunkt im kommunalen Sicherheitssystem der Stadt Halle bleiben, so wie es ihre Vorgänger seit Gründung der Wehr waren. Auf die bei ihrer Tätigkeit immer drohende Gefahr für Leib und Leben gefragt, könnte die Antwort lauten:

„Wir sind nichts Besonderes, aber wenn

man uns braucht, sind wir da!“

110-jähriges Jubiläum

Seit Anfang 2009 hatten Daniel Ecke und Thilo Kabon mit der Planung des Jubiläums zum 110. Geburtstag begonnen.

Das 110-jährige Jubiläum wurde am 5. September 2009 auf dem Schulhof des Friedensgymnasiums gefeiert. Ein nicht enden

wollender Festumzug mit historischen Uniformen und über 67 Fahrzeugen führte von der Willi-Brundert- über Merseburger-, Dimitroff-, Schönhaar- und Karl-Pilgerstraße zum Festplatz. Hier wurde bei einem kurzen Appell unser Kamerad Wolfgang Viehweg für 60 Jahre treue Dienste bei der Feuerwehr ausgezeichnet. Ein buntes Programm mit Vorführungen, Ausstellungen und reichlich Unterhaltung fand seinen Höhepunkt mit der Party im großen Festzelt und dem Abschlussfeuerwerk.

Der Umbau 2010

Der Umbau unseres Feuerwehrhauses warf seine Schatten voraus. Seit Januar 2008 waren nunmehr konkrete Absprachen, Abstimmungen und die Planung im Gange. Diese betrafen vor allem die Feuerwehrunfallkasse, das Zentrale Gebäudemanagement der Stadt Halle, das Ressort Denkmalschutz und nicht zu vergessen die Berufsfeuerwehr. Der Antrag an den Stadtrat von Halle konnte im Jahre 2008 nicht mehr vollständig bzw. rechtzeitig vor Jahreswechsel eingebracht werden. Daher unternahm der FB.37 mit einer überarbeiteten Beschlussvorlage einen neuen Anlauf im April 2009. Der Antrag ging durch die folgenden Ausschüsse des Stadtrates: am 02.04. Vergabe-, am 15.04. Ordnungs-, am 21.04. Finanz- und am 22.04.2009 durch den Hauptausschuss. Es waren stets Mitglieder der Wehrleitung sowie der Fachbereichsleiter 37 bei den Sitzungen anwesend. Dem Antrag wurde in allen Ausschüssen einstimmig zugestimmt! Am 29.04.2009 erfolgte durch den Stadtrat der Stadt Halle-Saale unter Top 5.8 der Tagesordnung eine mehrheitliche Zustimmung zum Antrag. Die Planungen zum Umbau liefen weiter und wir als FFW Ammendorf mussten uns für die Zeit des Umbaues eine neue Bleibe suchen. Dies gestaltete sich zunächst sehr schwierig, da geeignete Objekte in Ammendorf nicht gefunden werden konnten. Es fehlte hier meist an Sanitäranlagen oder Verschließbarkeit der Hallen. Somit viel sehr kurzfristig die Entscheidung auf ein Objekt der Limsa, in der Fliederweg-Kaserne. Dort war genügend Stellplatz für die Fahrzeuge, ausreichend Räume und halbwegs benutzbare Sanitäranlagen vorhanden. Diesen Zustand waren wir jedoch schon gewohnt. Ein Manko war hier die Trennung von Fahrzeughalle und Umkleide. Hier waren ca. 150 m zu überbrücken, was sich zusätzlich auf die durch den längeren Anfahrtsweg verlängerte Ausrückezeit auswirkte. Diese Nachricht wurde den Kameraden auf der, wegen des Umbaus vorgezogenen, Jahreshauptversammlung am 18. Dezember 2009 mitgeteilt. Nunmehr begannen parallel unsere Planungen zum Umzug, da in unserem Gerätehaus sich in den knapp 100 Jahren so einiges angesammelt hat.

Bereits im November 2009 wurde das Museum abgebaut und im Dezember sämtliche Lager aufgelöst. Diese Gegenstände wurden in Metallgitterboxen eingelagert und mit Folie Staubdicht verschlossen. Alle Paletten und Boxen wurden durchnummeriert und der Inhalt dokumentiert, um den Umzug dadurch zu erleichtern. Es waren insgesamt 35 Gitterboxen und 10 Europaletten, sowie die komplette Möblierung (50 Spinde, Kücheneinrichtung, Tische, Stühle etc.) zu transportieren, da wir zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnten, ob Gelder für eine Neueinrichtung übrig blieben. Wir hofften, dass wir die alten Sachen nicht mit zurücknehmen müssen - dazu später mehr. Der Umzug fand am 29. und 30. Januar 2010 statt. Es waren 12 Fahrten mit dem Gerätewagen Universal und dem AB-Logistik notwendig, um alles aus dem Gerätehaus zu räumen. Dies geschah auch mit Hilfe der Wachabteilung der Südwache. Diese Leistung und auch deren Vorbereitung muss hier besonderes gewürdigt werden, da wir zusätzlich zu diesem Umzug und während der Einrichtung der Fliederwegkaserne im Zeitraum vom 02.01.2010 bis 18.01.2010 über 49 Einsätze im Bereich der allgemeinen Gefahrenabwehr abgeleistet hatten. Hierbei handelte es sich um Schnee- und Eisteile die entfernt werden mussten, da über die Silvestertage in Halle über 30cm Schnee gefallen waren. Dies ist für unsere Region ja nicht alltäglich und man sah schnell, dass die Häuser und Ihre Besitzer auf so etwas nicht vorbereitet waren.

Nun konnte es losgehen. Unter Planung und Bauleitung durch das Architekturbüro agn aus Halle, erfolgte der Beginn der Bauarbeiten mit dem Abriss des alten Sanitärtraktes am 2. März 2010. Es wurde die Baugrube gebaggert und ein Baukran in der Elsterstraße aufgestellt. Der Rohbau wurde durch die Baufirma Götzinger aus Sangerhausen erstellt. Dieser wuchs schnell und erreichte bald seine geplante Höhe und Vollendung im April 2010. Nun begann auch der Ausbau des Altbaus mit der Sanierung des Hallenfußbodens. Dieser war mit 99 Jahren nun recht betagt und man sah ihm an, dass dieser für die tonnenschweren Fahrzeuge der letzten Jahrzehnte nicht ausgelegt war. Ab Mai 2010 begannen die Reparaturen an der Dach- und Deckenkonstruktion des Bestandsgebäudes. Diese waren sehr zeitaufwendig und handwerklich anspruchsvoll. Die mit den Aufgaben betraute Zimmerei Göbel, aus Gröbers bei Halle, machte ihr Werk gut und somit konnte ab August 2010 der weitere Innenausbau beginnen. Es ging nunmehr Schlag auf Schlag. Neue Rohre, Leitungen, Elektroanlagen, Wände und Farben lassen auf eine pünktliche Fertigstellung hoffen. In wöchentlichen Bauberatungen wurde der Fortschritt besprochen und dokumentiert.

Eine ständige Teilnahme an Beratungen und Absprachen war für Daniel Ecke und Thilo Kabon Pflicht. Denn durch permanente Begleitung und dem Einbringen von Forderungen, konnten Vorstellungen der Wehr bei der Durchführung des Baues berücksichtigt werden. Nur gemeinsam mit Abstimmung des Nutzers lässt sich ein modernes und funktionsmäßiges Gerätehaus herstellen.

Stück für Stück wurden die Installationen wie Heizung, Absauganlage und Elektro errichtet. Ein regelmäßiges Mittagessen, als Dankeschön an die Bauarbeiter, brachte der Wehrleiter persönlich auf die Baustelle.

Jeden Abend fuhren die Kameraden am Gerätehaus vorbei, um zu schauen, wie sich die Wehr verändert. Auf die Abrüstung des Turmes haben wir sehnsüchtig gewartet. Der neue Stolz in Ammendorf ist von Weiten zu erkennen. Alle Restarbeiten am Dach wurden Ende Oktober 2010 fertiggestellt. Die traditionelle Bestückung der Turmkugel wurde am 2. November 2010 im Beisein der Berufsfeuerwehr und der Stadt durchgeführt. Die Wehrleiter Daniel Ecke und Thilo Kabon füllten voller Stolz die Kugel. Eine aktuelle Tageszeitung, Geldmünzen aus 6 Epochen, die letzten 3 Festschriften, eine Feuerwehrzeitung sowie 3 DVD’s wurden für die nächste Sanierung hinterlassen.

Text: U.Röfer, D.Ecke und Th.Kabon

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