Einsätze 2010

Hochwasser in Jessen

Einsatznummer: 101
Datum: 5. Oktober 2010
Zeit: 06.00 Uhr - 21.30 Uhr
Ort: Stadt Jessen
Einsatzart: Hochwassereinsatz


Die Uhr hatte gerade Sechs geschlagen und die nächtliche Dunkelheit sich noch nicht verzogen, als zwölf Ammendorfer Kameraden sich in der Fliederwegkaserne trafen. Grund für dieses frühe Erscheinen war eine, am späten Vorabend kurzfristig an die Ortswehrleiter herausgegebe Information, dass aufgrund der kritischen Hochwasserlage an der Schwarzen Elster Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren ins Katastrophengebiet entsendet werden sollten. Gegen 6.30 Uhr wurden alle freiwilligen Helfer der Ortswehren auf der Hauptwache in die möglicherweise bevorstehenden Aufgaben und den Ablauf des Tages eingewiesen, sodass sich eine halbe Stunde später 39 Mann mit zwei Löschgruppenfahrzeugen, drei Mannschaftstransportwagen und dem LKW der Berufsfeuerwehr auf den Weg nach Jessen bei Wittenberg begaben. Dort stagnierte laut den neuesten Nachrichten der Pegel der Schwarzen Elster bei drei Metern, weite Teile des Umlandes waren überschwemmt und einige Dämme drohten ob des dauerhaften Durchweichens instabil zu werden. Nach fast zweistündiger Fahrt trafen wir am Gerätehaus der Feuerwehr Jessen ein und bezogen dort unseren Bereitstellungsraum. Die Wartezeit wurde zum Nachtanken der Fahrzeuge und der eigenen körperlichen Reserven mit einem kleinen Frühstück genutzt, bis wir 10.50 Uhr unseren Einsatzbefehl erhielten und in Richtung Waltersdorf abrückten. Bereits auf der Anfahrt zeigte sich ein Großteil der Überschwemmungsfolgen: Straßenteile konnten wegen Überflutung nur in Schrittgeschwindigkeit passiert werden, Felder glichen eher einer Seenlandschaft und viele Wohnhäuser besaßen unfreiwillig Wassergrundstücke. Im Ortsteil Löben angekommen, bekamen die beiden Löschgruppenfahrzeuge einen Standort an einer Brücke über der Schwarzen Elster zugewiesen und sollten das Wasser auf der Landseite des dortigen Deiches in den Fluss pumpen. Nach einer kurzen Deichbegehung blieben neun Mann zur Aufsicht über den Pumpbetrieb vor Ort und den weiteren 30 Helfern kam die die Aufgabe zuteil in Kremitz Sandsäcke zu füllen. Durch einen kräftigen Kesselgulasch gestärkt, gingen wir so schnell zu werk, dass die Radlader mit dem Abtransport der Sandsäcke kaum hinterherkamen. Diese sollten andernorts auf Boote verladen oder aber mit einem Hubschrauber der Bundeswehr zu ihren Bestimmungsorten gebracht werden. Mehrmals zog auch ein Tornado-Flugzeug der Bundeswehr zur Luftaufklärung der Schadenslage seine Kreise am Himmel. Circa 15 Uhr beendeten wir die Sandsackfüllarbeiten und stießen wieder zu den Kameraden an den beiden immer noch fleißig pumpenden LFs. Mittels eines Bundeswehr-Hubschraubers wurden dort Sandsäcke auf der Brücke abgeworfen und konnten nun zum Abdichten zahlreicher Sickerstellen entlang des Deiches verwendet werden. Diese Arbeiten waren unbedingt notwendig, um ein Wegspülen von Dammmaterial und damit ein Brechen des Dammes zu verhindern. Parallel halfen wir Anwohnern, deren Keller und Hof unter Wasser stand, mit unseren Tauchpumpen aus. Die voll gelaufenen Räume konnten jedoch nicht vollständig trocken gelegt werden, da zum einen nachlaufendes Wasser dies verhinderte und zum anderen, um die Statik der betagten Häuser nicht zu gefährden. Um circa Viertel Sieben stellten wir den Lenzbetrieb der Fahrzeugpumpen ein, die Tauchpumpen waren bereits zurückgenommen und bereiteten Fahrzeuge und Mannschaft für die Heimfahrt vor. Das THW sollte unsere Einsatzstelle übernehmen. Als Resümee des Tages sind 1500-2000 gefüllte Sandsäcke zu nennen, ca. 60.000 Liter aus Wohnraum abgepumptes Wasser, knapp 1,2 Millionen Liter über Fahrzeugpumpen gefördertes Wasser und viele frohe Gesichter der Anwohner, die für unsere Hilfe sehr dankbar waren.

Text/Foto: Jan Wolf

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