Geschichte

Denkwürdiger Tag für die Ammendorfer Feuerwehr

ge11.10.28Die von der Berufsfeuerwehr Halle geborgene Zeitkapsel des ersten Hallenser Feuerwehrkommandanten befindet sich ab sofort in den Räumen der Ammendorfer Wehr. Diese kann in unseren umfangreichen und Geschichtsträchtigen Museum bestaunt werden. Wie esdazu kam und was sich hinter der Zeitkapselverbirgt, hier ein kleiner Rückblick.

Am 12. April 2007 passierte, worauf einige Naturwissenschaftler und Feuerwehrchronisten lange hingearbeitet hatten: Auf dem Areal der Würfelwiese in Halle wurde ein Gedenkstein verschoben, um eine historische Kapsel zu bergen. Fast auf den Tag genau vor 135 Jahren waren auf der Wiese drei Eichen anlässlich des Friedens von 1871 gepflanzt wurden. „Als ein Denkmal deutscher Einheit, deutscher Treue, deutscher Opferfreudigkeit und deutscher Kraft wurden am 11.4.1871 jene drei Friedenseichen von Schülern, Turnern, Sängern und Schützen unter der Führung des Dr. Ule gepflanzt“, notierte dazu der hallische Heimatforscher Siegmar Schultze-Galléra. Dr. Otto Ule war der 1. Kommandant einer organisierten Feuerwehr (Turnerfeuerwehr) in Halle. Er wurde in Ausübung seines Amtes bei einem Brand in der Großen Ulrichstraße von einem herabstürzenden Ziegel getroffen, woran er am nächsten Tag verstarb. Mit Ule starb nicht nur ein engagierter Feuerwehrmann, sondern vielmehr ein vielseitig interessierter Wissenschaftler, der u. a. ein Wissenschaftsjournal herausgab. Seine einfache, bescheidene Art und seine Freundlichkeit zu jedermann hatten ihn zu einem beliebten Bürger der Saalestadt werden lassen. Die Pflanzung der drei „Friedenseichen“ erfolgte auf seine Initiative. Ein Jahr darauf wurde zwischen die Bäume ein Gedenkstein gesetzt, unter den eine Kapsel eingebracht wurde, die laut lokalen Zeitungsmeldungen prophetische Aussagen Ules enthielt.

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Quelle Fotos: www.feuerwehr-halle.de

Nach seinem Willen sollte die Kapsel nach 100 Jahren wieder geborgen und der Nachwelt zugänglich gemacht werden. 1972 wurde zwar kurz in der Presse an das Ereignis erinnert, eine Bergung der Kapsel erfolgte aber nicht. Das hofften zumindest die Anwesenden, die sich am Nachmittag des 12. April 2007 bei den drei Eichen eingefunden hatten. Zu ihnen gehörte der Geologe Prof. Dr. Reichenstein, der sich seit Jahren mit der Person Ules, insbesondere als Wissenschaftler, befasst. Prof. Reichenstein der die Aktion initiiert hatte, verwies in seinen einleitenden Ausführungen auf die Bedeutung Ules für die Geschichte Halles. Auch der ehemalige Oberbürgermeister Halles, Dr. Rauen, ergriff kurz das Wort, wobei er sich besonders darüber erfreut zeigte, dass nach dem letztjährigen Stadtjubiläum weiterhin Interesse an der Historie der Stadt besteht. Weitere Gäste waren Frau Lohhöfener von der Denkmalbehörde, der Leiter der hallischen Museen, Herr Dr .Hirte, der Stadtarchivar Herr Jacob sowie von Seiten der Feuerwehr der Pressesprecher, Kam. Klein, der Leiter der Südwache, Kam. Naumann, der Feuerwehrhistoriker Kam Röfer sowie natürlich Kameraden der Südwache Halle, die den Denkmalstein versetzen sollten. Um 15 Uhr war es dann soweit. Alles war perfekt vorbereitet. Ein Einsatzwagen der Polizei sorgte ebenso für Sicherheit wie eine angebrachte Absperrung. Auf einer Gleitvorrichtung wurde mittels eines Seilzuges der 2,5 t schwere Stein zur Seite gezogen. Nachdem anschließend die Basisplatte zur Seite bewegt wurden war, nahm die Spannung merklich zu. Ein Restaurator entfernte mit einer kleinen Hacke vorsichtig die Erdmasse in der Mitte des Fundaments. Und tatsächlich, nach einigen Momenten kam eine zylinderförmige Metallkapsel zum Vorschein, die vorsichtig entnommen wurde. Bei einer kurzen, groben Reinigigung der Kapsel kamen zwei größere Löcher zum Vorschein, die durch Korrosionsfraß entstanden waren. Die Hoffnung, die vor über hundert Jahren verfertigten Dokumente unversehrt aufzufinden, zerschlug sich damit schlagartig. Der Stadtarchivar, Herr Jacob, nahm die Kapsel in Empfang und lud für den Folgetag zur sachkundigen Öffnung der Kapsel im Stadtarchiv ein. Zu diesem Anlass hatte man im Archiv die Akte zur Denkmalserrichtung von 1872 ans Licht geholt, ebenso eine zeitgenössische Abbildung Dr. Ules. Pünktlich um 11 Uhr begann die Öffnung der Zinnkapsel mit einer Säge. Doch wie an einem Freitag, den 13. nicht anders zu erwarten: Der Zahn der Zeit hatte ganze Arbeit geleistet. Außer Erde und Eichelschalen fanden sich nur ein paar rudimentäre Papierschnipsel. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verwies Herr Jacob auf die Vergänglichkeit der Zeit, die hier wieder sichtbar geworden sei. Obwohl die Träume von einer unversehrten Kapsel mit womöglich spektakulärem Inhalt geplatzt waren, sah man es von Seiten der Ule-Forscher als einen Erfolg an, ein weiteres Mosaiksteinchen zu einer Biografie des bedeutenden Hallensers gefunden zu haben. Am Ende konnte die mit der Öffnung der Kapsel betraute Buch- und Grafikrestauratorin Frau Knobloch vom Stadtarchiv doch noch einen kleinen Erfolg melden. Sie konnte ein Papiestückchen freilegen, auf dem noch deutlich erkennbar ein Wort prangte: Gerechtigkeit. Dieses Wort konnte nicht besser und zutreffender auf eine Lebensmaxime von Dr. Ule hinweisen, in ihm wird die humane Gesinnung des Feuerwehrkommandanten zum Ausdruck. Selbstverständlich hatten die Feuerwehrkameraden am Vortag den Gedenkstein wieder fachmännisch in die alte Position gebracht, nachdem man zuvor eine neue Kapsel in das Fundament eingebracht hatte. Damit gat man sich – nach der Übernahme der Pflege von Ules Grab auf dem Nordfriedhof von Halle – wieder einmal eines Pioniers des hallischen Feuerwehrwesens würdig erwiesen. Am 28. Oktober 2011 übergab der amtierende Leiter der Museen und Leiter vom Stadtarchiv Dr. Jacob im Hause des Stadtarchives die Zeitkapsel an die Feuerwehr Ammendorf. Neben Dr. Jacob war der Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Halle Herr Achim Klein, der Museumsleiter der Feuerwehr Ammendorf Herr Ulrich Röfer und der Ortswehrleiter der Ammendorfer Wehr Herr Daniel Ecke zur Übergabe anwesend. Daniel Ecke und Ulrich Röfer unterzeichneten den Dauerleihgabevertrag mit dem Stadtarchiv. Die Kapsel sowie die Schriftfragmente sind ab sofort im Ammendorfer Spritzenhaus zu bestaunen.

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